Mit dem Herzen sehen
Scritto da Caroline Christen Giovedì 01 Luglio 2010 15:26
Im Moment lese ich eine wunderschöne Geschichte über einen Jungen aus einem kleinen Dorf in Birma dem ein Astrologe ein Leben voller Leid und Sorgen prophezeit hat, da er unter einem schlechten Stern geboren worden ist. Die Eltern können nicht mit dieser schweren Last umgehen und lassen den Jungen schon früh alleine. Eine vom Schicksal geplagte Frau nimmt sich seiner an und begleitet ihn ins Erwachsenenleben. Schon früh erfüllt sich die Prophezeiung des Astrologen, als der Junge mit 6 Jahren unter rätselhaften Umständen sein Augenlicht verliert. Dann beginnt eine wunderschöne Geschichte, die nicht nur zeigt wie der Junge lernt mit seiner Behinderung umzugehen, sondern vor allem auch wie er daran wächst. Ein Mönch, dem er begegnet, lehrt ihm, dass unsere Sinnesorgane uns Menschen gerne in die Irre führen und dass die Augen dabei am trügerischsten sind. Wir glauben, dass das wahr ist, was wir sehen, wir sehen aber nur die Oberfläche, das Wesentliche bleibt uns dabei verborgen, weil wir uns zu stark auf einen einzigen Sinn verlassen. Oder in den Worten von Antoine de Saint-Exupéry „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
Der Junge beginnt also mit dem Herzen zu sehen. Er geht von nun an achtsam und neugierig durchs Leben. Achtet auf jede Unebenheit, die er spürt, jeden Geruch den er wahrnimmt und jedes Herz, das er schlagen hört. Er verwandelt Töne in Bilder, entdeckt dass er mit seinem Gehör Dinge erfassen kann, die anderen verborgen bleiben. Er hört ein Geräusch, kann es nicht zuordnen und bittet jemanden ihm zu sagen, was er sieht, doch diese Person antwortet, sie sehe nichts. Sie sieht zwar die Spinne, die das Geräusch macht, das der Junge hört, nimmt diese aber nicht als Geräuschverursacher wahr. Wo wir Sehenden nichts sehen, tut sich dem Jungen eine Welt von Eindrücken auf, die er mithilfe eines Mädchens, seiner grossen Liebe, kennen und benennen lernt.
Auch wenn die meisten von uns zu den Glücklichen gehören, auf alle unsere fünf Sinne zählen zu können, können auch wir achtsam durch das Leben gehen. Versuchen Sie mal bewusst ihre Sinne zu schärfen. Sich bei einem Waldspaziergang nicht durch die Augen sondern durch die Ohren leiten zu lassen. Schliessen Sie einfach mal die Augen und nehmen Sie die Geräusche um sich wahr. Sie werden staunen, was Sie alles hören und wie eine vermeintliche Stille klingen kann.
In unserem Kurs „Stressbewältigung durch Achtsamkeit" können Sie die Welt der Achtsamkeit kennenlernen und sich in ihr üben. Lernen Sie, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und dabei Frieden und Ruhe zu erfahren.
Hinweis zum Buch: „Das Herzenhören" von Jan-Philipp Sendker, erschienen beim Goldmann Verlag