Arbeit oder Freizeit
Écrit par Urs Tschanz Mardi, 27 Juillet 2010 06:57
In der Ferienzeit stellt sich immer wieder die Frage nach der Abgrenzung. Soll ich beim E-Mail eine Abwesenheitsmeldung installieren oder soll ich aus den Ferien die E-Mails zwei, dreimal pro Wochen checken. Soll ich die zu Hause gebliebenen so instruieren, dass sie mich nur in absoluten Notfällen kontaktieren oder soll ich sagen, ich stünde bei wichtigen Fragen jederzeit zur Verfügung? Wie grenze ich mich in meiner Freizeit von der Arbeit ab? Muss ich mich überhaupt abgrenzen? Oder ist die Grenze fliessend? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Ich habe in der letzten Zeit viele zufriedene, motivierte und leis-tungsfähige Berufsleute angetroffen, die diesen Sommer tageweise Ferien bezogen, je nach Wetter, Lust und Laune sowie Auftragslage.Läuft dies dem Grundsatz im Schweizerischen Arbeitsrecht nicht zuwider, welcher verlangt, dass mindestens zwei Ferienwochen im Jahr am Stück bezogen werden müssen? Andererseits sehe ich in meinem Beruf auch immer wieder Leute, die sich am Rande eines so genannten Burnouts befinden. Als wesentliche Gemeinsamkeit dieser Leute stelle ich fest, dass sie sich wenig abgrenzen können, Arbeiten in der Freizeit erledigen, per E-Mail oder Handy immer erreichbar sind etc.
Die Frage, welches Niveau der Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit nun für den Menschen förderlich ist, lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Als nicht falsche Antwort könnte man sagen, dass dies von Person zu Person unterschiedlich ist. Ich denke aber, dass es eine bessere Erklärung gibt, wenn wir einen weiteren Faktor zur Beurteilung dieser Frage beachten, nämlich die Einflussmöglichkeiten zwischen den beiden Polen fremdgesteuert und eigenständig. Ich behaupte, wer im beruflichen Alltag stark fremdgesteuert ist, braucht eine klare Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit. Die Arbeit wird eher als notwenige Bedingung erlebt, um überleben zu können. Bei solchen Bedingungen braucht der Mensch Erholungszeiten, in denen er wieder auftanken kann. Falls jemand bei der Arbeit einen hohen Grad an Eigenständigkeit erleben darf, wird der Berufsalltag oft als Bereicherung und nicht als Last erlebt. Es gelingt dann auch, sich während der Arbeit wohl zu fühlen, dort aufzutanken. Diese Leute brauchen keine klare Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit. Sie fühlen sich wohler, wenn sie auch während ihrer Freizeit immer auf dem Laufenden gehalten werden, was im Geschäft läuft.
Wie ist es bei Ihnen? Schwerpunkt fremdgesteuert oder eigenständig? Je nachdem schlage ich während Ihrer Ferien eine klare Abgrenzung oder einen fliessenden Übergang vor.
Urs Tschanz