Boni – Anerkennung – Selbstwert
Écrit par Stephan Arnold Mardi, 06 Juillet 2010 13:40
Der Titel kann meiner Meinung auch als Stufenfolge einer gewünschten Entwicklung gesehen werden.
Die Bonusdiskussion und die Managerlöhne sind in letzter Zeit wieder etwas in den Hintergrund geraten. Getan hat sich noch nicht viel. Mir scheinen die Belohnungssysteme sehr veränderungsresistent. Es werden verschiedene Begründungen ins Felde geführt, insbesondere dass nur mit marktgerechter Belohnung auch die besten Leute zu finden und zu binden sind. Meiner Meinung nach hat die Veränderungsresistenz vor allem damit zu tun, dass Belohnungssysteme auch ein Spiegelbild der Wertesysteme der jeweiligen Unternehmen und Branchen darstellen. Und Werte zu verändern ist eines der schwierigsten Unterfangen.
Für die weitere Diskussion müssen wir eine Unterscheidung zwischen Be-lohnung und Ent-lohnung machen. Wenn man Lohn oder Entlohnung als Tausch für das Produkt aus Arbeitszeit und Arbeitskraft definiert, dann kann es nicht sein, dass Manager teilweise mehr als 200 Mal mehr Zeit oder Kraft investieren als ihre Angestellten. Im Endeffekt kann etwas mit den Managerlöhnen nicht stimmen. Wenn man dem Argument folgen will, dass Boni und Löhne auch ein Zeichen der Wertschätzung seitens der Firma darstellen und man das Commitment der Leute sichern will, dann sollten wir eher von Be-lohnung sprechen.
Gerade im Bereich der Belohnung zeigt sich immer wieder, dass Anerkennung, und die Förderung und Unterstützung von Selbstwert und Selbstachtung wichtiger sind.
Gewisse Manager und Banker erscheinen mir wie emotional vernachlässigte Kinder. Diese bekommen von ihren Eltern nicht die nötige emotionale Geborgenheit, welche sowohl die bedingungslose Zuwendung wie auch das klare Setzen von Rahmenbedingungen beinhalten würde. Vermeintlich kompensiert wird das mit materiellen Zuwendungen, was eine verhängnisvolle Spirale von Konsumhaltung und sozialer und persönlicher Inkompetenz in Gang bringt. Fehlende Befriedigung emotionaler Bedürfnisse, wie stabile Arbeitsbeziehungen, immaterielle Anerkennung oder verlässliche Rahmenbedingungen, werden mit materiellen Leistungen kompensiert.
Die Lohn- und Boni-Diskussion müsste demnach nicht dahingehend geführt werden, welche Boni und Entlohnungen reduziert oder gestrichen werden müssen, sondern welches die richtgen Belohnungen sind, um die Entwicklung in die wünschenswerte Richtung zu treiben. Dann könnte es eben sein, dass Anerkennung, Selbstwert und Selbstachtung wichtiger sind.
Noch ein Gedanke zum Selbstwert. Der Selbstwertkiller Nummer 1 ist der Vergleich mit anderen. Unseren wahren Wert erkennen in der Regel, neben ein paar „Fachleuten" nur wir selber. Das bedingt ein gewisses Mass an Selbst- und Sozialkompetenz - und diese sind bei emotinal vernachlässigten Kindern in der Regel gerade unterentwickelt...