Mimikry

Mimikry

 

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass wir im Kontakt mit anderen Menschen manchmal das Verhalten unseres Gegenübers völlig unbewusst imitieren? Denken Sie zum Beispiel an ein Vorstellungsgepräch oder eine Verhandlungssituation. Wir passen beispielsweise unsere Sprache jener unseres Gesprächspartners an, wir verwenden plötzlich dieselben Gesten oder ertappen uns dabei, wie wir dieselbe Körperhaltung einnehmen.
In der psychologischen Fachsprache wird dieses Phänomen als „Mimikry" bezeichnet. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Biologie. Er umschreibt die Ähnlichkeit in Bezug auf das Aussehen, das Verhalten, den Geruch oder die Geräusche von unterschiedlichen Tierarten oder der Anpassung einer Tiergattung an eine Pflanzenart, welche ihnen als Schutz dient und hilft in der Natur zu überleben. In der Psychologie bezeichnet der Begriff Mimikry die Tendenz der Menschen, ihre Interaktionspartner in ihrer Sprache, Mimik und Gestik nachzuahmen. Diese unbewusste Verhaltensanpassung an unsere Mitmenschen hat durchaus ihren Nutzen. Das Imitieren der Mimik unseres Gegenübers verhilft uns zu einem besseren Verständnis seiner Emotionen. Indem wir die emotionalen Regungen im Gesicht des anderen beobachten, werden in unserem Gehirn jene Areale aktiviert, die für die entsprechenden Emotionen zuständig sind. Des Weiteren erscheinen uns Personen, die uns in Bezug auf die Gestik und die Art zu sprechen ähnlich sind, sympathischer.
In vielen Berufsfeldern spielt die Interaktion mit anderen Menschen eine wichtige Rolle. Überträgt man die oben genannten Befunde auf den beruflichen Alltag, kann ein Anpassen der eigenen Sprache, Mimik und Gestik an jene des Geschäftspartners beispielsweise dazu verhelfen, von diesem als netter wahrgenommen zu werden und eher Zuspruch zu erhalten. Eine Untersuchung zeigte beispielsweise, dass Kellnerinnen, die ihre Sprache an jene der Gäste anpassten und Äusserungen wiederholten, mehr Trinkgeld erhielten als jene, die dies nicht taten. Ebenfalls überträgt sich die gute Laune eines stets fröhlichen Mitarbeiters durch Mimikry auf die Stimmung der anderen Arbeitnehmer und kann somit eine positive Atmosphäre am Arbeitsplatz fördern. Natürlich kann diese Wirkung auch in negativer Richtung bestehen und die schlechte Stimmung eines Arbeitskollegen genauso auf die anderen abfärben.

 

Melanie Lang, Organisationsberaterin